Die Digiscouts® im Erzgebirge - ein Praxisbeispiel aus Schwarzenberg

19.07.2022

Fünf Auszubildende der Stadtwerke Schwarzenberg beteiligten sich bei den Digiscouts® im Kreis Erzgebirge. Die Ausbilderin Katrin Schneider erzählt uns, wie sie die Umsetzung des Projekts empfunden hat.

Bildrechte: Regionalmanagement Erzgebirge

„Die Ausbildung im Unternehmen ist nicht nur für uns wichtig, sondern auch für die Region – wir wollen junge Menschen im Erzgebirge halten und ihnen die Möglichkeit geben, nach ihrem Schulabschluss in der Heimat einen Beruf zu erlernen. So bleiben sie in der Nähe ihrer Familien und Freunde.“ So beginnt Katrin Schneider das Gespräch per Videokonferenz. Man spürt direkt, dass die Ausbildung für sie eine Herzensangelegenheit ist.

Seit 2016 ist Katrin Schneider für die Stadtwerke Schwarzenberg tätig. Im Frühjahr 2017 hat sie ihren Ausbilderschein absolviert und ist seitdem für die kaufmännischen Auszubildenden verantwortlich. Das Spektrum der Ausbildung ist vielfältig – über Mechatronik und Betriebstechnik hin zu IT oder dem kaufmännischen Bereich. „Die Ausbildung in unserem Haus ist sehr anspruchsvoll“, erzählt Katrin Schneider weiter. „Wir wollen, dass die Jugendlichen nach ihrer Lehre gut für die moderne Arbeitswelt gewappnet sind. Das ist unser Anspruch.“

Momentan sind sechs Azubis in der Lehre, von denen fünf am Projekt Digiscouts® beteiligt sind, das unter Leitung des RKW Kompetenzzentrums und im Kreis Erzgebirge durch die RKW Sachsen GmbH durchgeführt wird. Die Einladung zum Projekt hat sich über die Wirtschaftsförderung Erzgebirge (WFE) ergeben. „Wir hatten schon an anderer Stelle Kontakt zur WFE. Von den Digiscouts® hatte ich zwar zuvor noch nichts gehört, aber es war relativ schnell klar, dass wir mitmachen“, meint Katrin Schneider. Die Corona-Pandemie habe auch bei den Stadtwerken zu einem nochmaligen Schub in der Digitalisierung geführt.

Bei den Digiscouts® ist ein Team von Azubis auf der Suche nach Digitalisierungspotenzial im Unternehmen. Mit Unterstützung durch den Coach setzen sie ein Projekt gemeinsam um – von der Idee über die Planung bis hin zur Umsetzung. Das schult nicht nur die Kenntnisse im Projektmanagement, sondern auch die persönlichen Fähigkeiten.

„Die Zusammenhänge im Projekt verstehen, das ist wichtig. Wenn man den Prozess nie so ganz erlebt hat, wie soll man es später im Arbeitsleben anwenden können?“

Zum Start des Projekts gab es eine Menge Ideen, was digitalisiert werden könnte. Am Ende fiel die Entscheidung auf die digitale Kundenunterschrift. „Wir wollten ein Projekt finden, das nicht nur auf Papier steht und in der Schublade verschwindet“, erläutert Katrin Schneider ihre Motivation zur Projektbeteiligung. Die Azubis sollten erleben, wie es ist ein Projekt von Anfang bis Ende umzusetzen. „Die Zusammenhänge im Projekt verstehen, das ist wichtig. Wenn man den Prozess nie so ganz erlebt hat, wie soll man es später im Arbeitsleben anwenden können?“

Die Grundlagen des Projektmanagements wurden durch Workshops von dem Coach André Nagler vermittelt. „Er hat die Azubis gekonnt abgeholt und während der gesamten Projektphase unterstützt. Die Azubis haben ihm beispielsweise Projektsteckbriefe vorab geschickt, damit er Feedback geben kann.“ so Schneider. Das vom RKW entwickelte Tool DS2 ist dabei ein ideales Werkzeug für die Azubis und Coaches, da dort alle Projektunterlagen, Fristen und Termine sowie Schulungsmaterialen abgelegt sind.

 

Das Projekt bietet besondere Mehrwerte, die sich kaum ersetzen lassen. „Die Azubis lernen sich in der Gruppe zu strukturieren, Verantwortlichkeiten festzulegen und Aufgaben zu verteilen. Sie müssen lernen, Mitverantwortung zu übernehmen und sich auch mal einen Plan B zurecht zu legen wenn bspw. jemand in der Gruppe kurzfristig ausfällt“. Sie müssen inhaltlich gut vorbereitet sein, wenn sie ihr Projekt vor der Geschäftsleitung oder der WFE präsentieren und Fragen gestellt werden.

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„Das ist schon mit viel Aufregung verbunden“ weiß Frau Schneider. Zudem intensiviert so eine Projektarbeit den Austausch untereinander im Unternehmen aber auch mit anderen Auszubildenden, die sich bei Digiscouts® angemeldet haben. „Das schweißt zusammen, auch menschlich. Und sie motivieren sich gegenseitig – zuerst ist man vielleicht zurückhaltend und schüchtern, aber dann wird man mitgezogen.“

 

Auf die von ihr initiierte Teilnahme bei Digiscouts® hätten die Azubis anfangs etwas zögerlich reagiert, gibt die Ausbilderin zu. Aber dieser Sprung ins kalte Wasser war vielleicht auch notwendig. Im Nachhinein hat es die Azubis in ihrer Entwicklung richtig weit gebracht, ist Katrin Schneiders Fazit. Für die Einführung der digitalen Kundenunterschrift aber auch das eigens kreierte Projektvideo gab es großes Lob seitens der Geschäftsführung und der Belegschaft. „Das brauchen die Azubis auch für ihr persönliches Bild. Dass jemand an sie glaubt und ihnen etwas zutraut.“

Eine Sache möchte sie anderen Unternehmen am Schluss noch mitgeben: „Man muss den Azubis Zeit einräumen. Sie haben die Berufsschule, die Ausbildung im Betrieb und dann auch noch ein extra Projekt. Das ist schon eine Herausforderung.“

Sie möchte das Projekt nicht missen und wäre bei einer Fortsetzung sofort wieder dabei. „Nicht nur die Azubis profitieren davon, sondern auch wir als Unternehmen. Denn eines ist klar: die Digitalisierung ist nicht mehr auf dem Vormarsch, sondern im vollen Gange“.

 

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Am 29. Juni 2022 stellten alle Azubi-Team ihre Projekte bei der Abschlussveranstaltung bei der Wirtschaftsförderung Erzgebirge vor. Den Rückblick finden Sie hier.

In der aktuellen Runde waren folgende Unternehmen dabei:

Gefördert wird das Digiscouts-Projekt vom RKW Kompetenzzentrum aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).

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